Wenn jeder Atemzug schmerzt

Lungenentzündung, Rheuma oder Tumor? Eine Brustfellentzündung tut nicht nur weh, sie ist häufig auch Symptom einer anderen Krankheit. Die Therapien unterscheiden sich grundlegend.

Die Schmerzen sind heftig: Wer sich eine Brustfellentzündung zugezogen kann, dem tut jeder Atemzug im gesamten Brustkorb weh. Außerdem plagen schmerzhafte Hustenattacken die Betroffenen, die mitunter noch von Fieber und Nachtschweiß begleitet werden. Häufig tritt die Entzündung zusammen mit anderen Erkrankungen auf, weswegen es so wichtig ist, die Ursache zu finden.

"Eine Brustfellentzündung wird in vielen Fällen durch eine Lungenentzündung ausgelöst", sagt Sabine Gehrke-Beck. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Die Entzündung kann aber auch begleitend oder infolge von Tuberkulose oder Rheuma auftreten. Auch ein Tumor in der Lunge oder im Brustkorb kann dahinterstecken, genauso wie eine Virusinfektion.

In der Fachsprache heißt die Entzündung Pleuritis. "Pleura" ist die Bezeichnung für das Brustfell. Das ist eine dünne Hautschicht, die beide Lungenflügel - in diesem Bereich heißt sie Lungenfell - überzieht und den Brustkorb samt Rippen - hier heißt sie Rippenfell - auskleidet.

Entzündung - Erguss - Atemnot

Zwischen dem Lungen- und dem Rippenfell befindet sich ein schmaler Zwischenraum, durch eine Umschlagfalte sind beide Anteile fest miteinander verbunden. In dieser sogenannten Pleuraspalte befindet sich immer etwas Körperflüssigkeit. Sie sorgt dafür, dass sich Lungen- und Rippenfell beim Ein- und Ausatmen verschieben können.

Bei einer Entzündung unterscheiden Ärzte zwischen einer trockenen und einer feuchten Variante. Bei einer trockenen Rippenfellentzündung befindet sich keine zusätzliche Flüssigkeit in der Pleuraspalte. "Dann ist die Rippenfellentzündung ganz besonders schmerzhaft", erklärt Gehrke-Beck. Bei einer feuchten Rippenfellentzündung gibt es in der Pleuraspalte einen Erguss, der aus den entzündeten Zellen stammt. "Wenn Flüssigkeit zwischen die Rippenfellblätter gelangt, nehmen die Schmerzen oft ab", sagt die Ärztin. Sind die Flüssigkeitsmengen sehr groß, kann sich die Lunge allerdings nicht mehr genügend ausdehnen - dann kommt es zu Atemnot.

"Bei Schmerzen beim Atmen sollten Betroffene nichts in Eigentherapie versuchen, sondern einen Arzt aufsuchen", erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in Berlin. Nur so kann abgeklärt werden, was konkret die Rippenfellentzündung ausgelöst hat.

Welche Krankheit steckt dahinter?

Der Arzt nimmt zuerst Blut ab und überprüft dann die Atemgeräusche des Patienten. Hört er ein knarrendes Geräusch, kann das ein Hinweis auf eine Rippenfellentzündung sein. Häufig schickt der Arzt den Patienten zum Röntgen, Ultraschall oder ordnet eine Computertomografie an. Auf den Bildern kann er erkennen, ob eine Lungenentzündung oder ein Tumor hinter der Rippenfellentzündung steckt - und ob es eine Flüssigkeitsansammlung gibt.

Die Behandlung so eines Pleuraergusses hängt von seiner Größe ab. Ist die Flüssigkeitsansammlung klein und eher wässrig, wird sie häufig vom Körper selbst wieder abgebaut. Ist der Erguss größer und erweist sich bei einer Punktion als eitrig, dann wird das Sekret mithilfe eines Schlauchs abgesaugt.

Die Therapie der Entzündung unterscheidet sich je nach Ursache. "Bei einer Lungenentzündung werden Antibiotika verordnet, eine Viruserkrankung heilt ohne aus", sagt Gehrke-Beck. Eine Tuberkulose, Krebserkrankungen und Rheuma werden meist in spezialisierten Zentren behandelt. Damit bei der Rippenfellentzündung das Atmen nicht länger wehtut, kann der Patient Schmerztabletten nehmen.

Pflanzliche Mittel und Atemübungen

Der Hustenreiz ist nicht nur schmerzhaft, sondern raubt vielen auch den Schlaf. Manch einem bringen pflanzliche Mittel wenigstens etwas Linderung. "Das können beispielsweise Medikamente mit Extrakten aus Arzneipflanzen wie Spitzwegerich oder Thymian sein", erklärt Sellerberg.

Steckt eine Lungenentzündung hinter den Beschwerden, ist zunächst Bettruhe angesagt. Bis sie ausgeheilt ist, können Wochen vergehen. Fühlt sich der Patienten besser, sollte er Atemübungen machen, um die Atemwegsmuskulatur zu trainieren und die Lunge zu stärken:

  • Im Freien aufrecht hinstellen
  • Tief einatmen und die Arme heben
  • Ausatmen, die Arme herunterschwingen und den Oberkörper nach vorn beugen.

@ spiegel.de

 

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