Gut fürs Herz, schlecht für die Lunge?

Betablocker haben pulmonale Nebenwirkungen. Woran Ärzte bei der Verordnung denken sollten, wurde beim Pneumologenkongress zusammengefasst.

Die Bewertung, ob Betablockern bei obstruktiven Lungenerkrankungen eingesetzt werden sollten, hat sich in den letzten Jahren verändert.

Die Bewertung von Betablockern bei obstruktiven Lungenerkrankungen hat sich in den letzten Jahren verändert. "Bei COPD ist ihr Einsatz erlaubt, bei Asthma und zwingender kardiovaskulärer Indikation kann man ihn diskutieren", sagte Professor Michael Pfeifer von der Universität Regensburg bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP).

Bei etwa 5000 Asthma-Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen hat man in einer retrospektiven Studie unter kardioselektiver Betablockade kein erhöhtes Exazerbationsrisiko festgestellt (BMC Med 2017; 15: 18). Bei über 400 Patienten mit nicht selektiven Substanzen seien dagegen vermehrt moderate sowie schwere Exazerbationen aufgetreten. Einen Freibrief gibt es aber auch für die kardioselektive Betablockade nicht. "Solange Betablocker nicht aus kardialer Ursache unverzichtbar sind, würde ich sie bei Asthmatikern immer vermeiden", betonte Pfeiffer.

Auch Professor Jens Schreiber von der Universität Magdeburg warnte: "Betablocker werden zwar von vielen Asthma-Patienten besser toleriert, als man glaubt, aber auch die selektiven Wirkstoffe können eine bronchiale Obstruktion auslösen." In Einzelfällen reicht es dazu schon, einen Betablocker in die Augen zu tropfen.

Bei der COPD ist die Situation klarer: "Wenn die Indikation dafür da ist, sollte der Betablocker gegeben werden". So haben laut Pfeifer 15 bis 30 Prozent der Patienten mit schwerer COPD eine Herzinsuffizienz; ihnen würde noch zu selten ein lebensverlängernder Betablocker verordnet. Dabei war in Beobachtungsstudien mit zusammen über 100.000 COPD-Kranken die Betablockertherapie in allen kardiologischen Indikationen mit einer deutlich verminderten Mortalität assoziiert.

Die vorliegenden Daten reichen jedoch nicht aus, so Pfeifer, um jedem COPD-Patienten eine Behandlung mit Betablockern zu empfehlen. Ob die Medikamente in der Lage sind, die Prognose auch ohne kardiale Komorbidität zu verbessern, wird derzeit in Studien geprüft.

Als pulmonale Nebenwirkung von Betablockern sind außerdem Fälle von Pneumonitis beschrieben. "Im echten Leben haben sie aber eine untergeordnete Bedeutung", so Schreiber. Die Empfehlung, bei einer Allergenimmuntherapie die kardiovaskuläre Medikation auszusetzen, sieht Pfeifer nicht als zwingend an. Er verwies auf eine Studie zur Immuntherapie gegen Hymenopterengift, in der Patienten unter Betablocker und/oder ACE-Hemmer nicht mehr Nebenwirkungen hatten als ohne.

@ aerztezeitung.de

 

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