Blutgasanalyse (BGA): Atmung, Säuren und Basen

Wie gut die Lungenatmung funktioniert, lässt sich durch die sogenannte Blutgasanalyse schnell erfassen. Sie kann auch Hinweise auf andere körperliche Erkrankungen liefern

Kurz gesagt:

Die Blutgasanalyse ist eine Blutuntersuchung, bei der gemessen wird, wie viel Kohlendioxid und Sauerstoff im Blut enthalten sind. Daraus kann der Arzt Rückschlüsse auf die Gesundheit des Herzens und der Lunge ziehen. Ein Sauerstoffmangel beziehungsweise ein Kohlendioxidüberschuss machen das Blut "sauer". Auch die "Säure des Blutes" lässt sich mit der Blutgasanalyse bestimmen. Da verschiedene Erkrankungen das Blut "sauer" machen können, wird die Blutgasanalyse auch zur Diagnose und Kontrolle von Stoffwechsel- und anderen Erkrankungen eingesetzt.

 

Was heißt Blutgasanalyse?

Bei der Einatmung kommt Sauerstoff (O2) in die Lunge, bei der Ausatmung wird Kohlendioxid (CO2) aus der Lunge abgegeben. Im Inneren des Körpers geht die Atmung jedoch weiter, denn der Sauerstoff wird an die roten Blutkörperchen gebunden, wandert zu den Organen und wird dann gegen Kohlendioxid ausgetauscht. Dieses fließt dann mit dem Blut in die Lunge zurück, wo es abgeatmet wird. Da über das CO2 der Säure-Basen-Haushalt des Körpers mitgesteuert wird, wird in der Regel mit den Blutgasen gleichzeitig der Säure-Basen-Haushalt des Körpers mit erfasst. Hier spielen neben der Lunge auch die Niere und die Leber eine wichtige Rolle.

Es kann sowohl die äußere Atmung gestört sein, zum Beispiel beim Asthma, als auch die "innere Atmung", zum Beispiel bei Herzerkrankungen. Wenn das Herz nicht genügend Blut in die Lungen transportieren kann, entsteht Atemnot, obwohl die eigentliche Lungenfunktion nicht behindert ist. Bei einer Herzschwäche oder einer Verstopfung der Lungengefäße (Lungenembolie) zum Beispiel wird zu wenig Blut mit Sauerstoff angereichert.

Häufig empfinden auch körperlich gesunde Menschen starke Atemnot – das sind Patienten, die bei Aufregung und Stress "zu viel" atmen (hyperventilieren). Obwohl sie Atemnot verspüren, enthält ihr Blut genügend Sauerstoff, aber nur relativ wenig Kohlendioxid.

Mithilfe der Blutgasanalyse erkennt der Arzt, ob und in welchem Ausmaß ein Sauerstoffmangel tatsächlich vorhanden ist.

Bei der Blutgasuntersuchung werden der Sauerstoffpartialdruck (pO2) und der Kohlendioxidpartialdruck (pCO2) 
ermittelt. Eine wichtige Rolle dabei spielt der pH-Wert des Blutes. Der pH-Wert gibt an, wie "sauer" das Blut ist. Ein 
Sauerstoffmangel beziehungsweise ein Überschuss an Kohlendioxid lässt das Blut "sauer" werden. Diesen "sauren Zustand" versucht der Körper auszugleichen, indem die Säure des Blutes abgefangen wird. Dieser "Säurefänger" ("Puffer", "Pufferbase") ist das "Bicarbonat" (Hydrogenbicarbonat, HCO3-).

Der umgekehrte Weg funktioniert auch: Wenn das Blut infolge von Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel einer extremen Überzuckerung bei Diabetes (Zuckerkrankheit) "sauer" geworden ist, versucht der Körper dies auszugleichen, indem er die Atmung verstärkt. Der Patient versucht automatisch, viel Kohlendioxid abzuatmen, damit das Blut wieder neutraler wird.

Ob das Blut eher "sauer" oder eher "basisch" ist, erkennt der Arzt am pH-Wert. Der pH-Wert kann theoretisch die Werte "1" bis "14" annehmen, wobei 1 = sauer, 7 = neutral und 14 = basisch bedeutet. Blutwerte schwanken jedoch um den pH-Wert "7".

Welche Werte sind normal?

Bei der Blutgasanalyse wird in der Regel sauerstoffreiches arterielles Blut entnommen – aus der Arterie am Handgelenk. Als standardisierte Alternative wird sogenanntes arterialisiertes Blut üblicherweise aus dem Ohrläppchen entnommen. Die "Arterialisierung" erfolgt durch das Auftragen einer durchblutungssteigernden Salbe auf das Ohrläppchen. Die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) werden dadurch stark erweitert. Deshalb fließt das Blut so schnell, dass es arteriellem Blut entspricht.

Der pH-Wert des arteriellen Blutes liegt normalerweise bei 7,37 bis 7,45. Das venöse Blut weist einen pH-Wert von 7,26 bis 7,46 auf.

Der Kohlendioxid-Partialdruck (pCO2) beträgt im arteriellen Blut 35 bis 46 mmHg.

Der Sauerstoff-Partialdruck (pO2) liegt im arteriellen Blut bei 75 bis 105 mmHg.

Die Bicarbonat-Konzentration im Blut liegt bei 21 bis 26 mmol/l. Dieser Wert gilt sowohl für das arterielle als auch für das venöse Blut.

Die Sauerstoffsättigung (O2-Sättigung) des gesunden Erwachsenen liegt bei über 96 %.

Außerdem wird der sogenannte "Basenüberschuss" (Base Excess, BE) bestimmt. Dieser Wert zeigt an, wie viele "Pufferbasen" im Blut gebildet wurden, um einen sauren Zustand zu neutralisieren. Der Basenüberschuss liegt normalerweise bei -2 bis +3 mmol/l (sowohl im arteriellen als auch im venösen Blut).

Wie verändern sich die Werte?

Der Arzt erhält ein genaues Bild von der Atemfunktion beziehungsweise von der Stoffwechsellage, indem er sich alle Werte anschaut und sieht, wie diese Werte kombiniert sind. Je nach Kombination spricht der Arzt von "metabolischer" oder "respiratorischer Azidose" beziehungsweise von "metabolischer" oder "respiratorischer Alkalose". Was das bedeutet, lässt sich an diesen relativ häufigen Erkrankungen zeigen:

Respiratorische Azidose (pCO2 erhöht, pH erniedrigt, Bicarbonat normal): Wenn beispielsweise ein Asthmatiker zu wenig Kohlendioxid ausatmet, dann steigt der Kohlendioxidpartialdruck an, und das Blut wird "sauer"; der pH-Wert sinkt also. Der Arzt spricht von einer "respiratorischen Azidose", weil das Blut infolge einer schlechten Atmung (Respiration) sauer (azid) geworden ist.

Respiratorische Alkalose (pCO2 erniedrigt, pH erhöht, Bicarbonat normal): Menschen, die hyperventilieren, also zu stark atmen, haben ebenfalls oft das Gefühl der Atemnot. Hier sieht es jedoch im Blut ganz anders aus als beim Asthmatiker: Der Kohlendioxidpartialdruck sinkt, und das Blut wird "basischer" (der pH-Wert steigt). Dies wird als "respiratorische (= atmungsbedingte) Alkalose (= das Blut ist basisch)" bezeichnet.

Metabolische Azidose (pCO2 erniedrigt, pH erniedrigt, Bicarbonat erniedrigt): Verschiedene Erkrankungen, wie zum Beispiel Nierenerkrankungen oder die Zuckerkrankheit (Diabetes), können dazu führen, dass das Blut zu sauer wird. Dann liegt eine "metabolische Azidose" vor, also eine "stoffwechselbedingte Übersäuerung". Der pH-Wert und der Kohlendioxidpartialdruck im Blut sind abgesunken. Auch das Bicarbonat ist erniedrigt.

Metabolische Alkalose (pCO2 erhöht, pH erhöht, Bicarbonat erhöht): Zum Beispiel bei starkem Erbrechen wird relativ viel Säure ausgeschieden. Das heißt, das Blut wird "basisch", sodass eine "metabolische Alkalose" vorliegt. Der pH-Wert, der Bicarbonatwert und der Kohlendioxidpartialdruck steigen.

Bestehen die Erkrankungen länger, gewöhnt sich der Körper gewissermaßen an die verschobene Stoffwechsellage. Er kann sie so ausgleichen, dass trotz einer Erkrankung der pH-Wert des Blutes bei der Blutuntersuchung normale Werte zeigt.

 

Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Quelle: http://www.apotheken-umschau.de

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